Ein schrecklich (schöner) Urlaub

von Lemari

Disclaimer: Die erwähnten Personen aus der Harry Potter Welt gehören J.K. Rowling, andere Orte oder Handlungen entsprechen meiner Fantasie.
Warnung: vulgäre Sprache, Überspitzung der Lage
Rating: FSK 16


„Könnt ihr nicht aufpassen“, schnarrte er ein paar Erstklässler an, die sichtlich gehetzt zum nächsten Unterricht rannten und ihn versehentlich angerempelt hatten. Schnell hasteten sie weiter, denn der Ausdruck von Severus Snape verfinsterte sich zunehmend. Heute schien ihm alles über den Kopf zu wachsen, erst versuchten ein paar Hufflepuff Erstklässler den Kerker in die Luft zu sprengen, dann musste er feststellen, dass jemand seinen Vorratsschrank geplündert hatte und Peeves meinte ihm einen Umweg aufhalsen zu müssen, denn das Ziel von Severus Snape war das Büro von Albus Dumbledore; schließlich musste er dem Schulleiter melden, was entwendet worden war.

Wütend vor sich hin murmelnd kam er seinem Ziel langsam näher, denn die ihm entgegenkommenden Schüler sprangen aus seinem Weg, aus Angst Punkte abgezogen oder eine Strafarbeit aufgebrummt zu bekommen. Vor dem Wasserspeier blieb er einen kurzen Moment stehen, strich sich durch sein grimmiges Gesicht und nannte dem Wasserspeier das Passwort: „Zitronenbrausebonbon.“
„Nun, das ist wirklich bedauerlich Severus, doch ich schätze, dass ich dagegen nicht groß etwas machen kann.“
„Das kann doch nicht ihr Ernst sein, Dumbledore! Sie sind der Schulleiter, sie müssen etwas dagegen unternehmen!“ Severus war außer sich vor Wut.
„Nun, meine Fähigkeiten als Schulleiter sind auch nur begrenzt“, Dumbledore zuckte bedauerlich mit seinen Schultern.
„Aber, aber … ,“ Snape kam aus dem Stottern nicht mehr raus.
„Wissen Sie was, Sie packen jetzt Ihre Koffer“, Dumbledore strahlte auf einmal über das ganze Gesicht.
„Meine … Koffer … packen?! Sind sie jetzt verrückt geworden?“
„Aber nein, Severus, während Sie einen 14-tägigen Urlaub genießen, kümmern wir uns um Ihren Vorratsschrank“, mit diesen Worten stand Dumbledore auf und bugsierte Snape sachte aus seinem Büro.
„In 15 Minuten möchte ich Sie mit Ihrem Koffer wieder hier sehen, Sie werden mittels Portschlüssel reisen.“
Und ehe Severus „beim Barte von Merlin“ sagen konnte, befand er sich schon wieder auf der Wendeltreppe nach unten.
„Professor Dumbledore ist wirklich verrückt geworden“, das sagte er sich immer wieder vor, während er den Kerker zu seinem Büro entlang lief. Er öffnete die Tür zu seinem Büro und automatisch fiel sein Blick auf den ausgeplünderten Vorratsschrank. Warum musste er ihn auch direkt hinter seinen Schreibtisch stellen? Die Wut kroch wieder in ihm empor, doch er wollte ihr nicht noch einmal die Überhand lassen, etwas härter als gewollt fiel die Tür hinter ihm ins Schloss. Immer noch angespannt und außer sich vor Wut, die er gerade versuchte herunter zu schlucken, ging Severus Snape in seine Privatgemächer. Dort angekommen zog er seinen alten, verbeulten, verstaubten Koffer vom Schrank.
Hogwarts war für Severus Snape gleichzeitig sein zu Hause aber auch sein Dauerurlaub. Nachdem Voldemort gestürzt worden war, war er lange nicht mehr außerhalb von Hogwarts unterwegs gewesen. Er versuchte den Gedanken an seine Wohnung in Spinners End zu verdrängen, aber so ganz wollte es ihm nicht gelingen, da er immer wenn er für eine bestimmte Zeit das Schloss verlassen musste ebendiesen alten, verbeulten Koffer mitnahm. Mit einem kurzen Schlenker seines Zauberstabes befreite er den Koffer von Staub und Spinnenweben. Danach legte er ihn auf seinem Bett ab und wand sich eben diesem Schrank zu, von dem er gerade diesen mit schrecklichen Erinnerungen geplagten Koffer gezogen hatte.

Auf einem grün bezogenen Bett liegt ein schwarzer, geöffneter Koffer, der schon fast komplett mit Kleidung gefüllt ist. Davor steht Prof. Snape und legt gerade noch ein weißes Hemd hinein. Ein dunkelblauer Vorhand, der normalerweise den Blick auf das Bett versperrt, ist zurückgezogen.
Bild von d.ela (Ravenclaw)

Snape hatte seine wenigen Habseligkeiten schnell in dem Koffer untergebracht, diesen mit einem speziellen Verschlusszauber belegt und ging dann wieder in seinen Büroraum. Dort sah er sich, mit einer Ausnahme, noch einmal um. In Gedanken schalt er sich selbst: „Du bist nicht gekündigt, du hast nur Urlaub.“ Aber dieses eine Wort „Urlaub“ kam Severus merkwürdig fremd vor. Er ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen, verschloss sie mit seinem persönlichen Zauber und machte sich abermals auf den Weg zu Dumbledores Büro.

Nachdem er den Wasserspeier passiert hatte und wieder vor der hölzernen Tür stand die ins Innere des Büros von Albus Dumbledore führte, zögerte Snape einen Augenblick. Er war kein Zauberer der Angst kannte und dennoch kam er sich gerade vor, als wär er das Kaninchen vor der Schlange, die Albus Dumbledore verkörperte. Nach ein paar weiteren Minuten hadern hob er schließlich die Hand und klopfte mit Nachdruck an die hölzerne Tür, diese schwang, wie in freudiger Erwartung, auf.
„Ah, Severus, da sind Sie ja, “ lächelte Dumbledore besagte, entgegen.
„Und wie immer pünktlich auf die Minute“, ein leises Lachen war zu vernehmen.
„Natürlich, Sir, warum sollte ich mich verspäten?“ Snape wunderte sich über diese Feststellung von Dumbledore, denn er wusste, dass Severus Snape sich noch nie verspätet hatte.
„Gut, dann kommen wir zum eigentlichen Teil der Sache, ich werde Sie per Portschlüssel in den Urlaub schicken“, setzte Dumbledore an und zog ein altes Stück Pergament aus einer Schublade seines Schreibtisches.
„Wohin der Portschlüssel Sie schicken wird, entscheiden sie ganz allein durch Ihren Willen, da ich aber denke, dass Sie keinen Willen haben in den Urlaub zu fahren, wird er Sie wahrscheinlich an einen Ort bringen, der für Sie angebracht scheint.“
„Portus“, Dumbledore richtete seinen Zauberstab auf das alte Stück Pergament und gewährte Snape den Vortritt mit einer ausladenden Bewegung seines rechten Armes.
Zögernd trat Severus vor, streckte seinen Arm aus und nickte Dumbledore kurz zu, dann berührte er das Stück Pergament und wurde von den Füßen gerissen.

Die Reise mit dem Portschlüssel dauerte nicht lange, dennoch war es für Severus ungewohnt mittels Portschlüssel zu reisen – er bevorzugte das Apparieren –, dass er das Bewusstsein verlor. Als er wieder zu sich kam, hörte er als erstes das Meer rauschen, die Möwen kreischen und sein Umhang war mit Sand beschwert.
„Schon wieder einer von denjenigen die ‚Eimer saufen‘ spielen mussten“, der Wind wehte diese Aussage mit einem deutliche angeekelten Unterton zu Severus hinüber.
Langsam stand er auf und klopfte sich den Sand von seinem Umhang und seinen Sachen. Wobei Merlins Barte war er gelandet? Er nahm seinen Koffer aus dem Sand und sah sich um. Vor ihm erstreckte sich azurblaues Wasser und unter seinen Füßen befand sich beigefarbener Sand. Er drehte sich um, hinter ihm sah er von weiten die Promenade, überall standen Palmen und im oberen Stranddrittel standen jede Menge Liegen mit Palm Dach.
Vorsichtig, da er den ungewohnten Untergrund nicht gewohnt war, stiefelte Snape in Richtung Promenade, denn dort hatte eine Gruppe grell angezogener Leute sein Interesse geweckt. Er stolperte und strauchelte mehr, als dass er lief, und war sichtlich erleichtert, als er wieder festen Boden unter seinen Füßen spürte. Die grellangezogene Gruppe von Leuten war inzwischen weitergezogen und Snape versuchte, sich an deren Fersen zu heften. Ihm blieb nicht verborgen, dass er von den ihm entgegen kommenden Leuten merkwürdig angeguckt wurde und ihm entging auch nicht das Getuschel, was sich abspielte, wenn die Leute ihn passierten: „Was macht denn der hier?“ und „Der sieht aus wie ein Gothic“, konnte Severus vernehmen, doch wovon redeten die Leute bloß?
Schließlich hatte er die Nase voll und er sprach die nächstbeste Person, die ihm entgegen kam, an.
„Was ist an mir eigentlich so lustig und wo bin ich überhaupt“, zischte er die Person an.
Der Mann im mittleren Alter wusste nicht, ob er lachen oder Respekt zeigen sollte. Schließlich fing er an zu lachen.
„Naja, guck dich doch mal an“, er lallte etwas. „Du passt hier gar nicht rein, Mann, bist ‘n Gothic oder was?“ Er bekam sich vor Lachen kaum ein. „Ein was?“ Severus war sichtlich verwirrt. Das Lachen wurde noch herzhafter und lauter. „Du bist echt krass drauf“, lachte der Mann immer noch. „Du willst mich wohl verarschen.“ Snape wusste nicht, ob er jetzt seinen Zauberstab zücken und dem Unbekannten einen Fluch aufhetzten oder lieber abwarten sollte, um eventuell eine sinnvolle Antwort zu bekommen.
„Meensch ey, du bist am Ballermann, Mallorca, Weiber, Saufen, etc.“ Noch immer lachte der Unbekannte und jetzt konnte Severus auch den süßlichen Geruchs des Alkohols wahrnehmen.
Seine Synapsen arbeiteten auf Hochtouren und dann endlich kam die Erkenntnis bei ihm an. Der Portschlüssel hatte ihn doch geradewegs in ein Muggeldorf gesetzt und das auch noch in das schlimmste von allen. Auch in der Zaubererwelt war Mallorca bekannt und auch der Ballermann war zuzuordnen, denn die wohlhabenden Hexen und Zauberei waren von der Insel nicht abgetan.
Servus Snape seufzte auf: „Da wär ich in Hogwarts besser aufgehoben gewesen.“ Der Mann war inzwischen weitergegangen, doch das Lachen klang Severus immer noch in den Ohren.
In der Hoffnung schnell ein geeignetes Hotel zu finden, rannte er fast die Promenade hinunter, doch die Hoffnung ebbte immer mehr ab: Eine Bar nach der anderen reihten sich links und rechts von ihm auf, aber kurz bevor die Promenade einen scharfen Knick machte, wurde Snape endlich fündig. Schnurstracks hielt er auf das Hotel zu und staunte nicht schlecht als er schließlich in der prunkvollen Eingangshalle stand. Sie erinnerte ihn ein bisschen an die Eingangshalle im St. Mungo. Bevor er noch weiter auffiel, ging er zu dem Tresen auf dem „Rezeption“ stand. Snape fühlte sich unheimlich fremd und unwohl in seiner Haut, denn sein letzter Besuch in einem Muggeldorf war doch schon etwas länger her.
„Herzlichen Willkommen im PlaceBeach, was kann ich für Sie tun“, sprach ihn eine schlanke, in einer roten Uniform steckenden Dame an.
Er räusperte sich. „Brauche ein Zimmer für äh 14 Tage.“
„Sie sind alleine?“
„Ja, oder sehen Sie noch jemanden neben mir stehen?“ Diese Frage war für Severus die reinste Provokation.
Das Lächeln der Rezeptionistin verflüchtigte sich kurz, tauchte danach aber in doppelter Breite wieder auf.
„Sie sind mir ja einer“, lachte sie. „Auf welchen Namen geht denn das Zimmer?“
„Snape.“
Die Frau blickte ihn verdutzt an. „Kommen Sie aus dem Ausland?“
„Ja, aus England“, gab Snape ihr die kurzangebundene Antwort.
Sie tippte etwas in einen großen weißen Kasten.
„Na gut, wollen sie Bar oder mit Karte zahlen?“
„Bar.“
„Gut, das macht dann 850,00 Euro.“
Snape zog ein paar Galeonen aus einer Tasche seines Umhangs und legte sie der Dame auf den Tresen.
„Tut mir leid aber diese Währung nehmen wir nicht an.“
„Merlin steh mir bei“, dachte Snape. „Da schickt der alte Tattergreis mich in den Urlaub und gibt mir noch nicht mal die passende Währung mit.“
Rasch drehte er sich auf dem Absatz um.
„Halt, warten Sie doch“, rief die Dame von der Rezeption ihm hinterher.
„Einen Augenblick“, schnarrte Snape zurück.
Draußen vor der Tür suchte er eine dunkle Nische und zückte seinen Zauberstab, richtete ihn auf die paar Galeonen in seiner Hand und flüsterte: „pecunia cummuta.“
Die Galeonen verwandelten sich in zwei Bündel von 500 Euro scheinen.
Glücklich steckte Snape seinen Zauberstab wieder in seinen Umhang und ging zurück ins Hotel.
„Hier, bitte schön“, er legte der Dame 900 Euro auf den Tresen, diese staunte nicht schlecht, fragte aber nicht weiter nach. Er bekam den Zimmerschlüssel ausgehändigt und erklomm die Treppe in den dritten Stock.

Müde legte Snape seinen Koffer aufs Bett und sah sich erst im Zimmer um, dann ging er auf den Balkon und genoss den Blick den Blick auf einen wunderschönen Sonnenuntergang. Er bemerkte wie seine Anspannung von ihm abfiel und ein leichtes Lächeln schlich sich auf seine Lippen.
„Das wird ein aufregender Urlaub“, murmelte er vor sich hin.